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2022-10-14 01:43:12 By : Mr. kesson hu

Biden fährt im "Beast", Macron im DS7. Und worin ist der Bundeskanzler unterwegs? Pünktlich zum Regierungswechsel hat Mercedes den neuen S 680 Guard als Dienstwagen nach Berlin geschickt. Das steckt in dem Kanzler-Auto.

Nach Olaf Scholz' Umzug ins Kanzleramt hat es in der Garage der Behörde einen Neuzugang gegeben: Pünktlich zum Regierungswechsel hat Mercedes die neue S-Klasse wieder als Sonderschutzlimousine und Dienstwagen des Bundeskanzlers angeboten. Scholz fährt also mit Stern auf der Haube (beziehungsweise lässt sich fahren), seine Amtsvorgängerin Angela Merkel setzte auf einen Audi A8 mit Panzerung.

S 680 Guard heißt die Staatskarosse, die beim Steuerzahler mit mindestens 547.400 Euro zu Buche schlägt. Doch muss man nicht unbedingt ein hochrangiges Amt wie Olaf Scholz (SPD) bekleiden, um in den gepanzerten Wagen einsteigen zu dürfen. Auch private Unternehmer oder Prominente können das Sondermodell erwerben.

Dass die Edellimousine etwa fünfmal so teuer ist wie eine gewöhnliche S-Klasse, liegt an der aufwendigen Produktion und der besonderen Technik. Während die normale Version weitgehend automatisiert in 50 Stunden gebaut wird, entsteht der Guard in 50 Tagen in Handarbeit.

In dieser Zeit bauen die Spezialisten einen Tresor aus Panzerstahl, Kohlefaser und mit schusssicherer Folie laminiertem Glas, das zehn Zentimeter dick ist. Darum herum drapieren sie dann die Serienkarosserie des Autos. Das Ergebnis ist eine Schutzzelle, welche die höchsten Standards erfüllt: Über 300 Schüsse haben die staatlichen Prüfer auf die Limousine abgefeuert und 12 Kilo Plastiksprengstoff daneben gezündet, bevor sie ihr das Siegel "VR10" gegeben haben.

Neben dem ballistischen Schutz bietet die S-Klasse aber auch noch Reifen, die den gepanzerten Guard auch nach dem Einschlag einer Gewehrsalve noch aus der Gefahrenzone tragen, einen automatischen Feuerlöscher sowie eine Druckluftanlage, die das Eindringen giftiger Gase verhindern kann.

Zwar gibt es unter dem Blech kaum ein Bauteil aus der gewöhnlichen S-Klasse, allein eine Tür wiegt dank Panzerung 180 Kilo und bekommt deshalb Elektromotoren, um sie mühelos zu öffnen. Doch von außen gibt sich das Hochsicherheitsfahrzeug eher unscheinbar.

Während General Motors für den US-Präsidenten eine lastwagengroße Limousine gebaut hat, die nicht umsonst "The Beast" heißt und überall aus dem Verkehr heraussticht, ist der Guard für flüchtige Betrachter eine S-Klasse wie jede andere auch. Schließlich gehört Unauffälligkeit zum Schutzkonzept. Denn das Gros der dreistelligen Jahresproduktion verkauft Mercedes an Kunden, die ähnlich gefährdet sind wie Staatschefs, in der Öffentlichkeit aber unerkannt bleiben wollen.

Auch für die Insassen ist der Guard eine typische S-Klasse. Wenn sie erst einmal die schwere Tür ins Schloss gezogen haben, genießen die Hinterbänkler deshalb den gleichen Luxus wie jeder andere Besserverdiener. Und den Fahrer überzeugt die S-Klasse mit einer souveränen Performance. Allerdings muss er sich mit weniger Tempo begnügen: Während die normale S-Klasse mühelos 250 km/h schafft, ist hier bei 190 Sachen Schluss. Da fordern die vier Tonnen Leergewicht und die speziellen Reifen ihren Tribut.

Dabei spendiert Mercedes dem Guard schon den größten und stärksten Motor im Programm. Denn unter der Haube des Autos steckt der sechs Liter große und 612 PS starke V12-Motor, der sonst dem Maybach vorbehalten ist und bei maximal 830 Nm gut zurecht kommt mit dem Koloss. Dass der Zwölfzylinder dabei schon im Mittel 19,5 Liter (CO2-Ausstoß 442 g/km) braucht, mag nicht ganz in die Zeit passen, lässt sich aber bei dem Gewicht kaum vermeiden.

Solange sich der Guard durch entspannten Verkehr bewegt, ist er gut zu steuern. Erst wenn es brenzlig wird, spürt der Fahrer des Bundeskanzler-Dienstwagens das gewaltige Gewicht. Denn in schnellen, engen Kurven drängt die Limousine etwas weiter nach außen und beim Bremsen baucht sie etwas mehr Auslauf. Nicht ohne Grund verkauft Mercedes den Wagen gleich auch mit einem speziellen Fahrertraining.

Zur Ausstattung gehören zudem eine gepanzerte Karosserie, schusssichere Reifen, ein Reinluft-System, Einzelsitze im Fond, ein Abstandsregel-Tempomat, Sprachsteuerung und elektrische Türen.

Mercedes geht bei dieser ganz besonderen S-Klasse auf Nummer sicher. Obwohl die Schwaben schon die Normalversion als "bestes Auto der Welt" bewerben, haben sie hier noch einmal nachgelegt und für Politik und Prominenz einen Luxus-Panzer auf die Räder gestellt.